Donnerstag, 19. November 2009

INTERVIEW MIT FAHR SINDRAM und WALTHER HANS

B&C: Hallo Fahr, hallo Herr Walther Hans! Dürfen wir euch ein paar Fragen stellen?

FAHR: Hallo! Na klar, legt los!

W.HANS: Sicher.

B&C: Könnt ihr ein bisschen von eurem Tagesablauf erzählen?

FAHR: Hm. Ja, also ich stehe auf, so um 9 Uhr oder auch 10. Nach einem Frühstück geht es ab, ins Arbeitszimmer, dort hocke ich bis 18 Uhr. Dann gucke ich Emails, und geh meinen Blog updaten, und was sonst noch so im Internet zutun ist. Dann geht’s wieder an die Arbeit bis um 2 Uhr nachts.

W.HANS: Bei mir sieht’s nicht ganz so schlimm aus! Ich nehme ein kleines Schreibheft und gehe in den Park, und setz mich in die Sonne. Später rufe ich dann Fahr an, die mir nett erklärt das meine Ideen alle schlecht sind! :-)
FAHR: Ja, das ist schlimm! Das geht richtig so: „Schlecht, schlecht, schlecht“! Wenn ich dann den ersten Schock hinter mir habe, finde ich die meisten Sachen klasse!

B&C: Was, Fahr, keine Freizeit?

FAHR: Das war jetzt der Idealtag! Natürlich sehe ich auch manchmal DVD’s oder kaufe am Nachmittag noch schnell ein. Aber im Grunde ist mein Tag so. Nur wenn mich die Karaoke-Lust packt, wird’s kritisch!

W.HANS: Sie hat Freizeit, aber sie legt sie irgendwo für später an!

B&C: Woher kommt die Idee zu Lord Skeffington?

FAHR: Die Idee hatte ich schon länger. Ein lieber Zombie der verliebt ist, lebt allein.
Damals habe ich noch nicht viel darüber nachgedacht, was für Probleme das „tot sein“ mit sich bringt. Es gibt ein sehr schönes Lied, von Crosby, Nash, Stills and Young, es heißt „Our House“. Da drin gibt es den Satz „with two cats in the yard, life used to be so hard“. Ich hab beim ersten hören wirklich gedachte, das Leben der Figuren währe hart weil sie zwei Katzen im Hofe hatte. Was weiß ich was solche Katzen alles planen, um einem Pärchen das Leben zur Hölle zu machen! Und ich dachte so; „Na, bei zwein sollen die mal nicht jammern, es hätte schlimmer kommen können, uns sie hätten 15 davon im Hof“, so ging das damals los.
Der Song „Happy Phantom“, von Tori Amos, hat mich dazu gebracht, noch tiefer in die Story zu gehen. So entstand am Ende etwas völlig anderes, als ich geplant hatte, aber auch etwas weitaus tiefsinnigeres. Auch wenn es eine Geschichte für Kinder ist!
Nach und nach kamen mehr Ideen dazu, wie die Parkvampire und die Katzen! Die Katzen sind besonders wichtig, sie machen aus der Liebesgeschichte einen Riesenspaß, weil sie alles verulken und auf den Kopf stellen. Ohne sie wäre die Geschichte bestimmt langweilig, und vor allem nichts für Kinder – wer will in dem Alter schon irgendwelche Schnulzen lesen. Ne, es musste einen „Twist“ in der Story geben, und das sind eben die 15, frechen Katzen!

W.HANS: Als Autor ist es nicht immer einfach jemand zu finden, mit dem man auch länger arbeiten würde. Mit Fahr hatte ich wirklich Glück. Vor allem weil ihre Bilder die Geschichte noch einmal extrafrisch aussehen lassen. Wenn wir aufeinander treffen, dauert es nicht lange, und wir lassen ein Feuerwerk an Ideen los. Viele sind sehr absurd. Skeffington war vor allem Fahrs Idee, ich bin sehr stolz das ich bei dem Buch als Co-Autor dabei sein kann!

B&C: Wie kam es zu dem Teamwork von euch beiden?

FAHR: Der Walther hat mich einfach gefragt!^^;;

W.HANS: Fahr hatte einige neue Ideen in einer Mappe dabei, die ich noch nicht kannte. Als ich Skeffington sah, wollte ich sofort dabei sein! Sie hat gemerkt, das mir das Thema lag, also durfte ich an Bord kommen.

B&C: Ist das kein Problem; der eine 26 und der andere 86 Jahre alt?

FAHR: Nööö! Ich find’s prima! Um ehrlich zu sein, ich habe mit dem Walther-kun manchmal mehr gemeinsam als mit „jungen Leuten“. Inzwischen borgen wir uns auch Mangas aus, und bei Ideen-Meetings schlepp ich ihn auch schon mal in gruftige Kneipen. Beschwert hat er sich noch nicht!

W.HANS: Wir hören beim Brainstorming viel Robbie Williams, MUCC, Subway to Sally und Avril Lavigne, und kriegen bei Themen wie X-Men leuchtende Augen – Ich seh da kein Problem!

B&C: Habt ihr euch von anderen, bekannten Zombie-Werken inspiriert?

FAHR: Nee, eigentlich nicht! Ich kenn mich mit Zombies nicht mal besonders gut aus! Aber als ich Tim Burtons „Corpse Bride“ als Trailer sah, war ich schon ein bisschen erschreckt, weil es darin auch immer einen toten und einen lebenden Charakter ging, und deren Liebe. Aber Gott sei dank, die Story hatte, nach ansehen, doch nichts mit unserer zutun! *Puh!*
Inspiration war aber schon Tim Burtons Art zu zeichnen und zu erzählen. Seine schrägen Ideen, und auch manchmal der Humor, der nichts für Kinder ist, und weshalb Kinder ihn grade so mögen! Bei der Story habe ich mehr an „Die Schöne und das Biest“ gedacht, als an Sachen wie „The Nightmare before Christmas“, zum Beispiel. Die klassische Geschichte des Außenseiters, wie bei Frankensteins Monster! „Allein schlöööcht. Freund guuut!“ – so in der Art!^^;;

W.HANS: Ich bin an Zombies an sich nicht so sehr interessiert, wie an der Liebesgeschichte und dem Konflikt den Skeffington austragen muss! UND die COWBOY-KATZEN!
Das Buch soll vor allem Mut machen, und spannend und witzig zu lesen sein!

B&C: Gab es Vorlagen für die Figuren, oder wie kommt das Aussehen und der Charakter zustande?

FAHR: Der Charakter wird meist noch vor dem Aussehen erschaffen! Nach dem Motto: wie sieht jemand aus, der schüchtern und tot ist?
Skeffington hat seinen Namen von einer Person, die auch wirklich gelebt hat - Lewis Carolls kleinen Bruder, Skeffington Ludgwig. Ich fand den Namen einfach rasend toll!
Bei seinem Aussehen habe ich einfach losgezeichnet, und als ich fertig war, musste ich feststellen, er sah wie der geheime Sohn von Graf Olaf ( aus Lemony Snickets „Series of unfortuned events“) und 2D (Frontmann der Gorillaz) aus! O_O Dabei hatte ich eher an Harold aus „Harold & Maude“ gedacht. Na, ich mag seinen look jedenfalls total!
Die Katzen sind einfach schwarz, aber haben dennoch alle ihr eigenes Aussehen.
Der Charakter des Mädchen war allerdings besonders schwer, sie sollte schön aber auch freundlich und ernsthaft wirken! Ich wollte kein typisches Püppchen in Pink – sie sollte den Betrachter ansprechen ohne dumm zu wirken!^_^;; Gott sei dank kannte ich jemand der perfekt als Vorlage war. Die schöne Alexandra Völker.

W.HANS: Ich durfte vor allem bei den Katzen mitbauen, und bei den Nebencharakteren. Skeffington war allein Fahrs Baustelle, da lässt sie keinen ran!

B&C: Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit an einem Manga und einem Kinderbuch?

FAHR: Oh, der ist groß! Hätte mir das nur jemand vorher gesagt! Leute, bleibt bloß bei Mangas, wenn ihr könnt! Spaß beiseite, es ist viel härter! Ein Bild muss ganz für sich allein stehen können, und sowohl durch Farbe, als auch durch die Motive begeistern. In einem Manga hast du die Möglichkeit Fehler, die gemacht wurden, auszugleichen indem du mit dem nächsten Motiv wieder alles rausreißt. Auch sind Fehler oft nicht so offensichtlich, da alles sehr klein gedruckt wird. UND es ist alles in Schwarz/Weiß, also kommt die Arbeit nicht noch dazu!
Kinder sind sehr kritische Betrachter, und in dem Punkt dem Mangaleser sehr ähnlich, allerdings ist bei Kindern viel entscheidender was du, als Autor, ihnen vorsetzt. Du hast eine größere Verantwortung, als beim Manga, der ja für Jugendliche ist, da Kinder von Bilderbüchern oft Jahre begleitet werden. Hat ihnen das Buch gefallen, kaufen sie es auch ihren Kindern.
Außerdem sind die Arbeitszeiten schlimmer. Für ein Bild brauche ich schon mal gut 3 Tage. Bei Doppelseiten auch mal länger!

W.HANS: Dazu kann ich leider nichts sagen!

B&C: Fahr, mit was für Zeichenmaterial arbeitest du?

FAHR: Unterschiedlich. Beim Manga ist es nur Bleistift, Tinte, Papier und PC-Raster. Beim Kinderbuch ist es eine Fülle von Dingen, die zum Einsatz kommen. Tusche, Kreide, Copics oder Öl. Ich hatte so viele Ideen die ich umsetzen wollte, und habe mich, vor allem wegen der Zeit für den PC entschieden. Ich glaube zwar, ein Kinderbuch sollte immer handgemacht sein, aber in diesem Fall sieht es, auch ohne analoge Tools, gut aus. Das nächste Kinderbuch mache ich dann allerdings doch mit Aquarell, schon weil ich diese Art der Umsetzung am liebsten mag!

B&C: Ist Lord Skeffington euer erstes Kinderbuch?

FAHR: Ja, aber bestimmt nicht mein letztes! Ich habe vorher ja schon viele Erfahrungen mit Manga und Marketing gesammelt, daher dachte ich auch, ein Kinderbuch wird bestimmt einfach! *lach* Ich habe von Skeffington bis jetzt 3 Bände im Kopf! Aber nach diesem Band kommt erst einmal Losing Neverland 03, ich halt’s nicht länger ohne Mangazeichnen aus!;_;

W.HANS: Nein, mein drittes. Ich schreibe momentan an meiner Buchserie „Der Bär und Ich“, in dem ich meine Jugend in Kiel der 30er Jahre verarbeite, und wie ich den aufkeimenden Nationalsozialismus erlebt habe.

B&C: Seid ihr mit der Umsetzung zufrieden?

FAHR: Natürlich nicht!^__^;; Das heißt nicht, ich halte das Buch für schlecht, oder gar Mist – aber du siehst deine Bilder und die sind schon zwei Jahre alt. Da packt jeden Zeichner der Horror, und man schwört, es besser zu machen! Das mache ich beim nächsten Mal, und beim nächsten Mal. Ansonsten lese ich meine eigenen Werke sogar sehr gern, wenn ich mich nach dem Druck dann dazu überwunden habe! * lach*
Die Story finde ich jedoch ausnahmslos klasse, das verdankt sie aber vor allem Walther!

W.HANS: Ich liebe unser Buch! Fahr muss immer meckern! Es ist sehr gut geworden!

B&C: Wie hofft ihr, werden die Leser auf Lord Skeffington reagieren?

FAHR: Ich hoffe, das sie ihn genauso toll finden, wie ich auch! Es ist eine Geschichte die mir sehr viel bedeutet, und bei der ich selbst oft lachen muss. Auch ist es ein Mutmach-Buch, für Kinder die sich nicht alles trauen also genau richtig. Aber auch für Ältere sind viele Witze und Ideen drin, so ist das Buch auch für Comicfans und Erwachsene spannend!

W.HANS: Ich glaube, sie werden es mögen. Sie können gar nicht anders, es ist ein schönes Buch für Kinder, und auch spaßig für Ältere!

B&C: Und was wünscht ihr euch für Lord Skeffingtons Zukunft?

FAHR: Ooooh! Ganz viele Produkte, wie Lunchboxen, Regenschirme, Plüschies, Actionfiguren und Zeichenhefte und der Art! Das fände ich toll! Dann würde ich mein ganzes Haus so einrichten! Und Zahndöschen und Frühstücksflocken!
Und einen Realfilm, und den Skeffington spielt dann Tom Schilling, und im US-Remake Johnny Depp! Und eine Zeichentrickserie, UND einen Vergnügungspark, ein Spaceshuttle... Eine Fastfood-Kette, ein...Okay, ich hör auf!

W.HANS: Nein, mach weiter! Vergiss die Briefmarken nicht, und den Jugendliteraturpreis!

B&C: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

FAHR: Ich würde gern erst einmal länger Mangazeichnen, und nebenbei Kinderbücher schreiben.
Das Nebenbei funktioniert nur leider nicht ganz. Aber vielleicht geht es ja wechselweise.
Außerdem habe ich auch noch, Gottohgott, einen Roman in der Hinterhand, der sogar schon auch schöne 124 Seiten gediehen ist. Aber Losing Neverland hat Vorrang. Damit habe ich ja auch noch gut 5 Bände zutun! Warten wir’s ab!

W.HANS: Bücher schreiben, und vielleicht auch einmal wieder mit Fahr arbeiten?! Jedenfalls bestimmt an Band zwei von Skeffington!

B&C: Fahr, könntest du dir vorstellen, die Story eines anderen Autoren zu zeichnen?

FAHR: Eigentlich nicht. Ich finde das Zeichnen von Geschichten etwas sehr persönliches ist. Ich mache zwar Aufträge für andere Leute, aber noch nie war eine Geschichte dabei, die ich zeichnen sollte. Mit Walther-Kun war das je mehr eine Zusammenarbeit, wir sind ein Team und denken uns alles aus, und haben gemeinsam die besten Ideen! Aber eine fertige Story? – Niemals!
Ausnahmen würde ich höchstens für Neil Gaiman und Terry Pratchett machen!
Was ich allerdings wirklich gern einmal machen würde, ist ein Booklet für eine Band bzw. einen Musiker! Ein Booklet ist im Grunde die Bebilderung der Lyrics, und somit schon eine Art Geschichte. Das ist ein großer Wunsch von mir! Der Wunsch ist teilweise schon in Erfüllung gegangen, denn ich zeichne jetzt die Band CINEMA BIZARRE für Universal Music.

B&C: Danke für die Antworten, wir wissen ja, ihr müsst noch arbeiten!

FAHR: Bitteschön!

W.HANS: Immer gern!

B&C: Habt ihr noch eine Nachricht an die Leser?

FAHR: Ihr wisst nicht wie schlimm zulange Unterarme sind! Und ich auch nicht!

W.HANS: Unterstützt uns auch weiterhin, und vielen Dank!

(Für Informationszwecke führte Butter & Cream ein Interview mit den Autorin Fahr Sindram und Walther Hans. Das Interview steht zur freien Presseverfügung.
Bei Fragen, bitte wenden Sie sich an die Butter & Cream-Redaktion :
butter-and-cream@gmx.de)c.2009

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Dienstag, 3. November 2009

FAHR UND IHRE MÜTZE










Auch Fahr Sindram war einmal klein.
Eines ihrer Lieblingskinderbücher war
"Kati Mütze" von Gisela Kudrow.

http://www.kuse-verlag.de/


deren Buch in ihr die unbändige und lebenslange Leidenschaft für Milchkannen und Milchzähne erwecke.
Dem entsprechend begeistert war sie, als sie gerade diese Illustratorin auf der Frankfurter Buchmesse nur wenige Meter vom Butter & Cream Stand entfernt kennenlernen durfte.